Unser erstes, eigenes Buch als Herausgeber

Zum Ende unseres Praktikums durften Jenny und ich (Marion) bei einem größeren Projekt mitwirken. Karsten, der ja auch Dozent an der Universität Paderborn ist, wollte im Rahmen seines Seminars „Der Storyteller“ ein Buch veröffentlichen. Alle teilnehmenden Studenten mussten als Teilnahmenachweis entweder eine Kurzgeschichte verfassen oder beim Lektorieren eben dieser Texte helfen. Jenny und mir fiel dabei auch die Rolle der Herausgeber zu. Wir sollten ebenfalls alle Texte lektorieren, die Geschichten setzen, als Ansprechpartner zur Seite stehen und einen passenden Klappentext und passendes Cover entwerfen. Während des Projekts mussten wir verschiedene Aufgaben erledigen und haben die Grundschritte erfahren, wie ein Buch entsteht. Die unten aufgelisteten Aufgaben sind nicht als „Masterplan“ zu verstehen, sondern geben nur einen Überblick über den ganzen Prozess. Bücher sind, wie ihre Autoren, alle unterschiedlich und man muss dementsprechend manchmal anders an sie herangehen.

 Aufgabe 1: Kurzgeschichten sammeln.

Zunächst mussten die Studenten uns ihre Kurzgeschichten bis zu einem bestimmten Datum schicken. Das stellte sich als gar nicht so leicht heraus, da einige es schafften die Frist zu verpassen. Als wir dann endlich alle Geschichten erhalten hatten, druckten wir sie aus.

Aufgabe 2: Lektorieren.

Die ausgedruckten Geschichten teilten wir in der Mitte. Die eine Hälfte lektorierte Jenny und die Andere ich. Danach wurde getauscht; denn 4 Augen sehen mehr als 2 😉 Das Lektorat wird handschriftlich mit Bleistift in und neben den Text notiert, da man so gemachte Änderungen rückgängig machen kann. Dabei verwendet man die allgemeinen Korrekturzeichen. Zeitgleich lektorierten ebenfalls ein paar Studenten und ließen uns ihre korrigierten Texte zukommen. In Zweifelsfällen tauschten wir uns mit unseren Kollegen aus und schlugen etwaige Unklarheiten im Duden nach oder googelten sie. Insgesamt brauchten wir zwei bis drei Tage zum Korrigieren und trotzdem fielen uns am Ende noch ein paar Fehler auf. Nachdem wir alles per Hand notiert hatten, mussten die Fehler in den Word-Dokumenten berichtigt werden. Das ist wichtig, damit die Fehler nicht auch im Buch auftauchen, weil man eben diese Dokumente zum Buchsatz verwendet. Damit andere die Korrekturen nachvollziehen können, aktiviert man die Funktion „Änderungen nachverfolgen“ die alles Korrigierte rot oder blau kennzeichnet. Auch das nahm circa zwei Tage in Anspruch.

 Aufgabe 3: Das Buch setzen.

Nachdem alle Korrekturen übertragen wurden, erstellt man in InDesign eine Vorlage des Buches. Wir haben uns in diesem Fall an dem Buch von Sulaiman Masomi orientiert. Wenn die Vorlage erstellt ist, werden die Texte hineinkopiert und mit Hilfe von sogenannten Absatzformaten gesetzt. Nach jedem Absatz wird der neue Satz eingerückt, es muss alles im Blocksatz sein, es darf keine doppelten Leerzeichen geben und so weiter. Während des Setzens fielen uns immer noch ein paar Fehler auf, was aber ganz normal sein soll. Insgesamt dauerte das Setzen 1,5 Tage.

 Aufgabe 4: Inhaltsverzeichnis und Impressum.

Das Impressum übernahmen wir von Sulaimans Buch und änderten manche Daten, zum Beispiel Lektor, Erscheinungsjahr und ISBN-Nummer, ab. Das Inhaltsverzeichnis konnten wir von der Grundstruktur her auch übernehmen, allerdings mussten wir alle Titel, Autoren und Seitenzahlen per Hand eintippen, da sich beim automatischen Erstellen alles unschön verschob. Das hat uns teilweise etwas verzweifeln lassen, auch wenn es am Ende gut funktioniert hat. Zum Schluss fügten wir noch eine Widmung hinzu.

 Aufgabe 5: Cover.

Zunächst war geplant, dass ein Student das Cover designt, allerdings waren seine Entwürfe nicht so passend. So durfte sich Jenny ausprobieren. Da uns die Idee einer Studentin aus dem Seminar, einen Teller voll Buchstabensuppe zu nehmen und auf den Löffel oder den Tellerrand „Story Teller“ zu schreiben, gut gefiel, versuchte Jenny einen Teller, samt Löffel und Suppe in InDesign nachzubauen. Das stellte sich aber doch als schwieriger als gedacht heraus.  Einfach ein Bild aus dem Internet zu nehmen, kam nicht in Frage, da das den Urheberschutz verletzt, sofern es nicht ausdrücklich zur Wiederverwendung gekennzeichnet wird. So nutzten wir unsere Mittagspause für einen Suppensnack und machten unser eigenes Bild von einem Teller voll Buchstabensuppe.Bild Immerhin konnten wir das ohne Probleme verwenden. Jenny fügte dem Teller einen Hintergrund in Holzoptik, Titel und Herausgeber hinzu und schon war das Cover fertig. Das Erstellen war aber gar nicht so leicht, wie es gerade vielleicht klang. Da wir die genaue Buchrückenstärke noch nicht wussten (sie wird anhand der Anzahl der Seiten ermittelt und muss bei der Druckerei angefragt werden, was in unserem Fall Karsten erledigt hat), musste das Cover „flexibel“ angelegt sein, sodass beim Vergrößern oder Verkleinern der Teller und die Schrift immer noch ihre Anordnung bzw. Position behielten. Es musste also ein Cover erstellt werden, dass etwas größer war, als das eigentliche Format des Buches (12×19 cm), um dem Ganzen einen gewissen Spielraum zu geben. Das Erstellen hat ungefähr ein bis zwei Arbeitstage gedauert.

Aufgabe 6: Klappentext.

Der Klappentext wurde zunächst von Marion entworfen, da einer der Studenten zum Verfassen etwas länger als gedacht brauchte. Wir haben dann ein Mischmasch aus unseren Texten erstellt und waren ganz zufrieden damit.

Aufgabe 7: Ein letztes Korrigieren.

Bevor das Inhaltsverzeichnis/Impressum und die Texte in ein pdf-Dokument umgewandelt und an die Druckerei geschickt werden, müssen sie noch ein letztes Mal kontrolliert werden. Es ist zum Beispiel sehr wichtig, dass die vergebene ISBN-Nummer richtig im Buch vermerkt ist. Sie wurde zuvor aus einer Liste verfügbarer Nummern ausgewählt und dient zur Identifikation des Buches.  Nur die Nummer reicht beispielsweise aus, um ein Buch beim Buchhändler oder im Internet zu finden bzw. zu bestellen.

Aufgabe 8: Buch in den Druck geben

Zusammen mit Ludger schickte Jennifer eine Mail mit den Druckdaten an die Druckerei. Die dortige Ansprechpartnerin war bereits durch Karsten informiert und erhielt von den Beiden nur noch die Daten und die gewünschte Menge des Buches (170 Exemplare).

Aufgabe 9: Andruck korrigieren.

Nach circa einer Woche erhielten wir den Andruck, diesen erhält man nicht grundsätzlich bei jeder Veröffentlichung, sondern er muss zusätzlich bei der Druckerei angefragt werden. Wenn eine Veröffentlichung ganz schnell gehen muss und man sich sicher ist, dass sie keine Fehler aufweist, bietet es sich beispielsweise an, auf den Andruck zu verzichten. Er besteht aus Cover und dem gesamten Inhalt, nur sind diese Teile noch nicht gebunden. Wir fanden dann leider im Inhaltsverzeichnis noch einen Fehler. Wir schickten die betreffende Seite einzeln als Pdf-Dokument zur Korrektur an die Druckerei. Nach dieser Korrektur ging das Buch entgültig in den Druck.

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Stolz wie Oskar – Jenny und ich mit dem Andruck

Damit ist man fertig und kann sich wartend, auf die Exemplare freuen. :)

 

Marion