U20 Slam 2013 in Kiel – Helferrückblick

Vom 18. bis zum 21. September fanden im schönen Kiel die ersten eigenständigen deutschsprachigen U20 Poetry Slam Meisterschaften statt. Über 70 Teilnehmer im Alter von 12 (!) bis 20 Jahren aus der Schweiz, Österreich und Deutschland traten gegeneinander an, um den Besten oder die Beste unter ihnen zu ermitteln. Letztlich wurde es eine Beste – Fee gewann, als einzige Frau im Finale, den Titel und den Gürtel. Und ich war live dabei. Von Paderborn nach Kiel und wieder zurück – warum denn das, mag man sich nun fragen.

 Da ich mich in der Stadt an der Ostsee bestens auskenne (schließlich habe ich dort sechs Jahre studiert), mir der Teil „Organisation von Poetry Slams“ innerhalb meines Praktikums noch fehlte und ich außerdem große Lust hatte, mir den Wettbewerb anzuschauen, fragte ich kurzerhand Karsten, ob ich dort nicht als Helfer arbeiten könne. Einen Telefonanruf und die Geburt der Idee eines Lektora-Büchertisches später war alles geregelt. Ich konnte in meiner alten WG schlafen und mit Karsten, der eine der Vorrunden moderieren sollte, hinfahren.

 Mein Bericht soll jetzt nicht in eine detaillierte Tagesbeschreibung ausarten, denn das wäre langatmig und langweilig (obwohl Rasmus Blohm in seinem Finaltext ja auf Langeweile schwört). Stattdessen möchte ich versuchen, die Stimmung einzufangen, denn diese war großartig. Eine Mischung aus Klassenfahrt, Literaturvortrag, Rapbattle und Feierei. Es war mal hektisch, dann wieder total entspannt, aber eigentlich immer lustig.

Was mir besonders aufgefallen ist: Man spricht nicht umsonst von der „Slamily“. Die Szene des Poetry Slams sieht sich wirklich als feste Community. Und obwohl ich selbst nicht slamme, sondern nur als Helfer tätig war, hat es nicht lange gedauert, bis ich mich nicht nur als Teil des Teams gefühlt habe, sondern auch – zumindest für diese vier Tage-  als Teil dieser Community. Und das war schön.

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Team und Struppi und ich

Zu meinen Aufgabenbereichen gehörte die Akkreditierung von Künstlern, die Betreuung des Büchertisches an allen vier Tagen und außerdem war ich Boutmanager in der Lucky Loser Runde – eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe, die das Protokollieren und Zeitstoppen beinhaltet.

Ich hatte erwartet, einen größeren Einblick in die Organisation eines solchen Events zu bekommen. Diese Erwartung erwies sich aber als falsch. Denn: Die tatsächliche Arbeit fand bereits im Voraus statt (und das seit zwei Jahren). Alles, was ich tun konnte, war ein Name in einer Liste zu werden, in der Tätigkeiten aufgeführt wurden, die ausgeführt werden mussten. (Merke: Eine Liste, über Dinge, die stattfinden müssen und wen und was man dafür braucht, ist vonnöten.) Trotzdem fand ich es schön, mit meiner Arbeit etwas zum Event beitragen zu können.

Letztlich fühlte es sich aber kein Stück wie Arbeit an. Immer gab es nebenbei Klönschnack mit sämtlichen Beteiligten – von Veranstalter Björn über die jungen Slammer bis hin zu berühmteren Slammern, Teammitarbeiter und der kleinen Tochter von der U20-Meisterin des Vorjahres (die übrigens am Finalabend ihr 3-jähriges Bühnenjubiläum hatte). Ich habe Bier getrunken („Schmackofatz“, sagt Hinnerk Köhn, der Vizemeister wurde),  bin draußen mit Slammern bei einer Zigarette in einem Integrationskreis gehüpft, habe mit den Teamkollegen Twisterpommes gegessen,  mit dem Dänen Peter Tyreborg und dem Hannoveraner Tobi Kunze geschäkert (solche Veranstaltungen sind die beste aller Kontaktbörsen!), und nebenbei das Buch von Zymny sowie die Anthologien meinen Kunden am Büchertisch empfohlen.

 Auch die von den Künstlern vorgetragenen Texte haben mich hinsichtlich ihrer Qualität fast durchgehend überrascht. Nur was ich jetzt nicht mehr hören kann: Coming-of-Age-Texte, die einen fünfminütigen Appell darüber darstellen, dass man doch andere Wege gehen (das hat auch schon Robert Frost erkannt) und die Welt verbessern sollte. Mündet dann letztlich in der Entscheidung zu tierproduktfreier Ernährung. Es gab allerdings auch ein paar Texte, die sich darüber lustig gemacht haben, das wiederum war klasse. Viele der Texte haben mich berührt, bei vielen habe ich gelacht. Schade: Nicht Hinnerk Köhn ist Meister geworden, sondern Fee. Die war zwar auch super, aber mir gefällt Hinnerks Stil einfach besser. Ich habe ihn auf einem meiner ersten Poetry Slams gesehen und bei seinem Raucher-Text blieb mir die Spucke weg und ich bekam rote Ohren. Zudem kommt er aus der Heimat! Mal sehen, welchen Platz er in Bielefeld belegt… wo ich übrigens auch als Helfer dabei sein werde.

Einen Stream zur Finalrunde findet man in der Arte Mediathek!

Ute