Schule mal anders #Ausbildung Teil 2

Wenn man als ehemalige Gymnasiastin entgegen vieler Erwartungen NICHT studieren geht (Meine Schule hatte den Ruf, dass alle die von dort kommen später Soziale Arbeit studieren) sondern eine Ausbildung macht, zeigt sich einem die Berufsschule von einer eher ungewohnten Seite.

Punkt 1 ist in diesem Fall die Unterrichtszeit:

Als Auszubildender hat man entweder Blockunterricht oder 1-2 Berufsschultage in der Woche. Beim Block-Unterricht wechseln sich also Theorie-Phasen in der Schule mit Praxis-Phasen im Betrieb in einem größerern Zeitrahmen ab, während man bei den einzelnen Berufsschultagen den Rest der Woche in der Firma ist – nur an den Berufsschultagen halt nicht. Meine Berufsschultage sind Montag und Donnerstag.

Punkt 2: Die Größe der Klasse

Meine Klasse besteht zum Großteil aus Mädels, ist aber im Vergleich zu manchen Kursen auf dem Gymnasium mit 17 Leuten doch recht klein. Das ist jedoch von Beruf zu Beruf unterschiedlich. In meiner ehemaligen Berufsschulklasse von Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten, waren wir nur 8 Frauen. Viele der Schüler kennen sich schon, weil sie im selben Ausbildungsbetrieb wie zum Beispiel der Neuen Westfälischen arbeiten. Es gibt deutlich weniger Leute wie mich, die allein in ihrem Unternehmen sind.

Punkt 3: Die Altersstruktur und Vorbildung

Der Altersdurchschnitt meiner Klasse liegt noch recht nah beieinander. Die jüngsten sind gerade erst 18 geworden, die ältesten sind Mitte 20. Der Durschnitt kann aber auch die jeweilige Vorbildung beeinflusst werden. Viele haben schon vorher eine Ausbildung gemacht. In meiner letzten Klasse war auch eine Schülerin um die 40 Jahre alt – sie machte eine Umschulung zur Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten. Die Motivation die Ausbildung zu machen sind unterschiedlich. Einige der Schüler haben zuvor schon eine Ausbildung gemacht, oder sogar studiert. Aber es sind auch welche da wie ich, die eine Ausbildung vor Abschluss, meist auch tatsächlich nach einem Jahr abgebrochen haben. Mich beruhigt das ein wenig, weil mir das zeigt, in dieser Situation haben andere Menschen auch schon mal gesteckt, auch wenn es mir währendessen so vor kam, als sei ich allein. Wir verstehen uns aber alle sehr gut.“

Punkt 4: Klausuren

Meine ersten Klausuren habe ich schon hinter mir und sie sind nicht allzu schlecht verlaufen. Allerdings musste ich mich wieder dran gewöhnen überhaupt welche zu schreiben und an die Tatsache, dass sie ganz anders aufgebaut sind. Klausuren im Gymnasium waren viel länger und mussten dadurch auch umfangreicher beantwortet werden. Meine Klausuren in der Berufsschule gehen aber im nur ca. 90 Minuten und sind anders aufgebaut. Zum Beispiel hatte meine Klausur in Wirtschaft Multiple-Choice-Aufgaben, was ich bist dato noch nie so gesehen habe bzw. bearbeiten musste.

In Punkt 5 möchte ich euch meine Schulfächer kurz vorstellen:

VMM,Verlagsmarketing und Medienmanagement, oder Fachkunde ist eines meiner Hauptfächer. Hier lernen Medienkauffleute neben den Dingen im Betrieb, alles was für sie im späteren Berufsleben wichtig ist.  Es dreht sich zur Zeit gerade um die innerbetriebliche Organisation bzw. das Verlagswesen. Wir haben beispielsweise gelernt, dass sich der Beruf des Verlegers sehr gewandelt hat, da man heutzutage dafür ein gutes Planungsgeschick, was die Finanzen angeht, aber auch gestalterische Fähigkeiten sowie ein Gespür für den Markt haben muss, um zu wissen, was man wie gut verkaufen kann.

Steuerung und Kontrolle, Rechnungswesen ist sozusagen unser Matheunterricht, auch wenn er nicht nur mit Rechnen zu tun hat. Wir beschäftigen uns dort mit Buchhaltung, Inventar, Inventur und Buchungssätzen. Es ist ein Fach, bei dem man gut aufpassen muss, da alles aufeinander aufbaut. Ist man einmal raus, kommt man so ohne weiteres nicht wieder rein, was mich sehr froh macht, schon ein Jahr während meiner Ausbildung beim Anwalt darin Unterricht bekommen zu haben. STK ist ebenfalls eines meiner Hauptfächer.

WSP, Wirtschafts- und Sozialprozesse, ist ein Fach das Politik oder Allgemeiner Wirtschaftslehre gleich kommt. In unseren ersten Unterrichtsstunden ging es vor allem um unsere Ausbildungsbetriebe, Ausbildungsverträge, das Berufsbildungsgesetz und das Jugendarbeitschutzgesetz. Wir haben bisher gelernt, welche Rechte und Pflichten Ausbilder und Auszubildender haben und darüber diskutiert, wie diese in unseren Betrieben umgesetzt werden.Interessant war es für mich in diesem Fall zu sehen, wie unterschiedlich die Ausbildung in einem Buch- bzw. einem Zeitungsverlag ablaufen. Auch wenn die Unterschiede zum Teil einfach der Größe des jeweiligen  Unternehmens geschuldet sind, bin ich sehr froh in einem Buchverlag zu arbeiten, der im Falle von Lektora auch noch einen besonderen Schwerpunkt hat. Wenn ich meine Mitschüler von ihren Tätigkeiten erzählen höre, berichten sie meist darüber gerade in der einen Abteilung zu sein und in zwei Monaten schon in die nächste zu wechseln. Wenn ich dann erzähle, was ich hier alles mache, kriegen meine Mitschüler große Augen, vorallem, weil ich schon in kleine gestalterische Prozesse miteinbezogen werde.

Deutsch ist nicht viel anders als in der Schule, nur das es berufsbezogener ist. Statt Analysen schreiben wir dort Geschäftsbriefe und lernen viel über Kommunikation und den Umgang mit Kunden. Zur Zeit beschäftigen wir uns mit Korrekturzeichen. (Dazu haben wir ja auch auf unserem Blog schon was gemacht, mir ist es also nicht fremd, da ich in der Firma auch schon ein paar Bücher mitlektoriert habe wie z. B. das von Sascha Thamm). Besonders an Deutsch in der Berufsschule ist, dass wir es nur ein halbes Jahr haben, was ich zur Zeit sehr komisch finde und irgenwie nicht nachvollziehen kann. Ich bin jedoch gespannt, wie das dann ohne Deutsch weitergeht.

Religion ist auch ein Nebenfach, welches wir nur ein halbes Jahr haben. Man darf sich bei unseren Nebenfächern aber nicht vorstellen, dass wir uns in ihnen ausruhen können, einfach eine schlechte Note kassieren und damit hat sich es. Ne, die Noten in unseren Nebenfächern tauchen auch auf unserem Abschlusszeugnis auf, was bedeutet, dass man auch in Religion gut sein muss, auch wenn man vorher vielleicht ein anderes Bild von ihr hatte.

In den nächsten Schuljahren bekommen wir aber auch noch Fächer wie Englisch, Mediengestaltung, Sport und Politk. Das sind aber ebenfalls Fächer, die wir nur ein Halbjahr lang haben. Ich bin sehr froh darüber Englischunterricht zu bekommen, da das in meiner ersten (abgebrochenen) Ausbildung leider nicht der Fall war.

Insgesamt darf man aber gespannt sein, was  mich in der Schule noch so erwarten wird.

Ich halte euch auf dem Laufenden.

Jennifer 😉