Lebende Tote in Paderborn -Dead or alive Poetry Slam #1 in Paderborn 03.06.14

Langsam ziehen Nebelschwaden auf. Die kleinen Gässchen rund um das Theater in Paderborn verdunkeln sich. Die Bodenplatten am Theatervorplatz schieben sich zur Seite und düstere Gestalten erheben sich, um durch die Paderstadt zu wanken.

Nein, wir sind nicht bei „The Walking Dead“ oder sonst irgendeiner Zombie-Untoten-Apokalypse, sondern beim 1. Dead or Alive Poetry Slam im Theater Paderborn. Hier wurden Tote lebendig – und zwar auf der Bühne, dargestellt durch Schauspieler des örtlichen Ensembles.fb-banner-dead-or-alive

Ein Dead or Alive Poetry Slam ist ein Poetry Slam, bei dem „lebende Dichter“, also Poetry Slammer, gegen tote Dichter antreten, die durch Schauspieler dargestellt werden. Während für die Poetry Slammer die übliche Regel „Keine Kostüme, keine Requisiten!“ gilt, können sich die Schauspieler dieser „Hilfsmittel“ bedienen, um den toten Dichter so authentisch wie möglich auferstehen zu lassen. Das Publikum kürt den Gewinner des Abends. Dieser kann – wie der Name der Veranstaltung schon sagt – tot oder lebendig sein. Das von allen mit Spannung erwartete Event ließ an diesem Abend keine Wünsche offen. Die Stimmung im fast ausverkauften großen Haus des Theaters in Paderborn war großartig, sodass die beiden Moderatoren Karsten Strack und Johannes Floehr nicht mehr viel dafür tun mussten. Wir Praktikanten, Marion und Jennifer, konnten diesen Abend einfach nur genießen, weil wir sozusagen nichts zu tun hatten, da alles vom Theater geregelt wurde. Die für uns „slam-untypische“ Umgebung geriet schnell in Vergessenheit, denn wir fieberten bei den Texten einfach nur mit und lauschten andächtig den Slammern und Schauspielern während ihrer Beiträge.

Denn es ging auch gleich mit zwei „meisterlichen“ Startern los – wenn man das so sagen darf. Schauspieler Max Rohland schlüpfte in die Gestalt von William Shakespeare und es folgte der Auftritt von Jan Philipp Zymny. Das Publikum zeigte gleich bei beiden, wie laut es sein konnte und brachte das Theater sprichwörtlich „zum Beben“, wie die beiden Moderatoren bemerkten.

Obwohl ich häufiger ins Theater gehe als ins Kino, war ich erst zum vierten Mal im Theater in Paderborn. Das „Große Haus“ dort ist ein ziemlich schöner Saal, den Jan Philipp ziemlich treffend mit dem Inneren einer Geige verglich und uns als seine „Geigenkinder“ begrüßte. Zugegebenermaßen waren alle Beiträge fesselnd, aber ich war sehr gespannt darauf, wie die Schauspieler ihre Texte umsetzten. Es war sehr interessant zu sehen, wie die Kombination aus Vortrag, Mimik und Gestik sowie den „Hilfsmitteln“ wie Licht und Filmmaterial uns Zuschauer packte. Da ich selbst slamme, bewunderte ich sie auch für die Fähigkeit, einen mit ca. 400 Leuten gefüllten Saal ohne Mikrofon zu bespielen, sodass alle sie hören konnten. Ich traue da dem Mikro leider mehr als meiner Stimme.

Auf Seiten der Schauspieler durften wir außerdem David Lukowczyk als Dramaturg Heiner Müller, Willi Hagemeier mit Texten von Hansjörg Held und Alexander Wilß als den legendären Kurt Tucholsky bewundern.

Für die Slammer gingen außerdem noch Jule Weber, Florian Wintels und Dean Ruddock an den Start.

Der fulminante Abend im Theater endete erst mal in der Lounge, wo Slammer, Schauspieler und Zuschauer zusammenkamen und feierten. Einige sind danach noch ins Sputnik weitergezogen.

Von diesem Abend bleiben mir schöne Erinnerungen an das Zusammensein mit wunderbaren Menschen und ich hoffe, dass wir so eine Veranstaltung bald wiederholen.

Jennifer