KultSlam 05.12.2013 - Weihnachtsspecial

KultSlam 05.12.2013 – Weihnachtsspecial

Mut steht am Anfang des Handelns, Glück am Ende.
(Demokrit, griechischer Philosoph, 470-380)

kultslam_plakatDas Praktikum nähert sich dem Ende und neben den vielen Dingen, die ich gelernt habe und den vielen Bekanntschaften, die ich gemacht habe, gab es tatsächlich nur eine Sache, die ich nun noch mitnehmen wollte. Bereits nach den Poetry Slam Meisterschaften in Bielefeld Anfang November hatte ich es vollmundig angekündigt und nach gut einem Monat sollte es dann jetzt soweit sein: Ich würde selbst auf die Bühne treten.

Einfacher gesagt, als getan. Wenn man sich zuvor die „alten Hasen“ vor einem hunderte Mann starken Publikum angeschaut hat und die Künstler immer Selbstsicherheit ausgestrahlt haben, kann man sich gar nicht vorstellen, dass jeder von ihnen mal „klein“ angefangen haben soll. Und auch wenn ich mir mittlerweile den ein oder anderen „normalen“ Slam angeguckt habe und deswegen weiß, dass Souveränität nicht unbedingt immer ein naturgegebenes Geschenk ist, hilft dieses Wissen leider wenig, wenn man auf ein mal selbst da oben steht. Einige Slammer kommen aus dem Theaterbereich, andere sind es einfach gewohnt (und auch ein bisschen süchtig danach), im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen und andere zu unterhalten.

Auf mich trifft beides jedoch nicht zu. Meine Leidenschaft besteht im Schreiben, beruflich oder privat verfasse ich oft und gerne Gaestebuch_05.12.2013Texte oder Artikel. Doch graute es mir bisher stets vor der Möglichkeit, Teile meiner Seele auf so eine Weise vor einem Publikum präsentieren und verkaufen zu müssen. Nun aber hatte ich bereits vor allen und nicht zuletzt mir selbst versprochen, dass ich mich trauen würde. Kneifen ist nämlich auch nicht meine Art. Außerdem wollte ich mir diesen Schritt zum Geburtstag, einen Tag später, schenken.

(Das erinnert mich im Übrigen an eine Szene aus „Stolz und Vorurteil“ mit Keira Knightley und Matthew MacFadyen. Seine kleine Schwester fragt sie: „Do you play the piano?“ und sie antwortet: „Only when forced“, woraufhin die Schwester sich zu ihrem Bruder dreht und ihn anweist: „Brother, you must force her!“)

Ich hatte mich also selbst ins kalte Wasser geschubst und, was soll ich sagen? Mein Geschenk hat mir gefallen! Mit wackeligen Knien und den Papierblättern im Schraubstock-Griff zwar stand ich auf der Bühne, doch hatte ich Vertrauen in die Qualität meines Textes. Und am Ende war alles gut! Es wurde nicht mal gesagt, dass dies das erste Mal für mich auf der Bühne wäre, und doch habe ich als Sacrifice sehr gute Kritiken bekommen! Noch benommen zu Anfang lauschte ich den anderen Künstlern. Und als dann nach und nach die Anspannung von mir abfiel, kam immer mehr Freude auf! Und was bleibt ist nun, gut eine Woche später, die Frage: Mache ich weiter?

Ally