„Kreatives Schreiben“ – Workshop für Kinder

„Heimat ist da, wo dein Herz ist“– Workshop zum Kreativen Schreiben

Manchmal besteht das Leben aus lauter Zufällen. So ist es auch einem Zufall geschuldet, dass ich – wohlgemerkt diejenige, die sich immer deutlich gegen das Lehren ausgesprochen hat – vorletzte Woche in eine Art Lehrerrolle gerutscht bin.

Karsten Strack organisiert nicht nur Poetry Slams, sondern bietet auch verschiedenste Workshops zum Thema Poetry Slam und Kreativen Schreiben an. Letzte Woche fand innerhalb der Veranstaltungsreihe Kinderakademie Paderborn 2013 der Schreibworkshop zum Thema „Heimat“ statt. Leider hatte Karsten sich kurz zuvor einen Bandscheibenvorfall zugezogen und war nun aufgrund häufiger Arzttermine nicht mehr in der Lage, die gesamte Woche über dem Workshop beizuwohnen. Also sprang die Praktikantin in die Bresche.

Nachdem ich den ersten Tag über hospitiert hatte, stand ich am Tag Zwei nun gemeinsam mit Dean Ruddock vor der schreibwütigen Kindermeute (es waren vier Mädchen im Alter von 11 bis 14).

Immer an das Thema Heimat angelehnt, brachten wir den talentierten Kleinen bei, was ein Gedicht ausmacht (bildhafte Sprache), spielten Sprachspiele, präsentierten Zungenbrecher (klarer Favorit: Auf einem russischen Passagierschiff jammte ein tschechischer Jazz-Session-Cellist) und schrieben natürlich auch Texte.

Dean hat bereits Erfahrung im Leiten von Workshops und Karsten hatte ein prima Konzept vorgelegt, an dem wir uns entlang hangeln konnten. Mir blieb also das Assistieren und Ergänzen: Dabei kam mir meine literaturwissenschaftliche Ausbildung ebenso zu Gute wie meine Erfahrungen, die ich beim Theater Spielen gesammelt habe. Ich konnte den Mädchen beibringen und zeigen, was Bühnenpräsenz ist und sie morgens zum lautstarken Vortrag motivieren, indem ich den schreienden Wecker nachahmte (und das ohne mich dafür zu schämen).

Ich hatte großes Glück, dass die Kursteilnehmer wirklich ruhige, zum Teil schüchterne Mädchen waren, das hat die Aufgabe zu Lehren für mich um einiges vereinfacht und gar nicht erst Nervosität aufkommen lassen. Dazu hatten die Kinder merkbar Spaß am Schreiben, sie tauten innerhalb meiner vier Tage dort auf und trauten sich immer öfter, ihre Texte vorzutragen. Es war wirklich schön zu sehen, wie sie Vorschläge annahmen, eifrig auf ihre Blöcke kritzelten und Verbesserungen in ihrem Stil und der Vortragsweise zeigten.

Demnach durften also nicht nur die Kinder etwas lernen, sondern auch ich. Ich komme zu dem Schluss, dass ich vielleicht doch nicht so ungeeignet fürs Lehramt bin – ob ich Bock darauf habe, ist eine andere Frage. Eines Tages selbst einen Workshop zum Schreiben zu geben, kann ich mir dagegen sehr gut vorstellen.