Buchmesse „Text and Talk“ Part 1

Am 7. und 8. September 2013 war ich für den Lektora Verlag auf der Buchmesse „Text and Talk“ in Oelde unterwegs. Das Haus Nottbeck, der Veranstaltungsort,  ist ein altes Rittergut, dessen Geschichte sich bis in das 14. Jahrhundert zurückverfolgen lässt. „Text and Talk“ ist eine neue Buchmesse für Kleinverlage in NRW, die zum ersten Mal für Besucher dort geöffnet war. Im Fokus dieser Veranstaltung stand die Vernetzung zwischen Verlag, Publikum und Autoren, was durch Kurzlesungen, Gesprächsrunden, etc. erreicht werden sollte.

Tag 1 – Gespräche mit Autoren führen, Bücherverkauf

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Foto: Franziska Röchter (Chili Verlag)

Da ich zum ersten Mal überhaupt auf einer Buchmesse war, hatte ich keine großen Erwartungen an das, was ich dort erleben sollte. Der erste Tag der Buchmesse wurde als Fachpublikumstag angekündigt. Ich war dementsprechend froh Karsten Strack, meinen Chef und einen Geschäftsführer unseres Verlages, an meiner Seite zu haben. Nicht das ich nicht über Poetry Slam und unser Buchsortiment Bescheid wüsste, aber was das Verfahren des Bücherverlegens angeht, kann ich eigentlich keine Auskunft geben.

Wenn dann doch Autoren und Verleger unseren Stand besuchten, hieß es für mich freundlich bleiben und ihnen so gut wie möglich zu helfen, vor allem als ich hin und wieder auch allein am Stand war. Gerade die Autoren stellten eine Herausforderung dar. Viele von ihnen gingen von Stand zu Stand und stellten sich und ihr Werk dort vor, ohne vorher recherchiert zu haben, ob sie überhaupt zu dem jeweiligen Verlag passen.

Ich kann nachvollziehen, wie sehr sie es sich wünschen verlegt zu werden. Wenn man aber bedenkt, dass es so viele Autoren gibt, die denselben Wunsch haben, gibt es vielleicht ein paar Dinge die man trotzdem beachten sollte:

1. Recherche

Es bringt nichts sein Sachbuch bei einem Verlag vorzustellen, der nur Lyrik verlegt. Zwar gibt es natürlich auch Verlage, die ein sehr breites Spektrum an Literatur rausbringen, jedoch muss man auch eben diese finden. Große Verlagsnamen hat man vielleicht eher im Kopf, als die der kleinen, aber es ist nicht unmöglich sich auch über Kleinverlage zu informieren. Ein Blick auf die Website hätte manchmal schon gereicht.

Wenn ich genau weiß, dass mein Buch in das Programm des Verlages passt, kann ich es auch dementsprechend besser bewerben.

2. Selbstpräsentation

Es war sehr interessant, die Autoren persönlich zu treffen. Von einem „Kennen lernen“ konnte aber keine Rede sein, da die meisten, mir oder Karsten, ihr Manuskript gleich in die Hand drückten und sich nach der Möglichkeit des Verlegens erkundigten, oft ohne sich überhaupt vorzustellen.

20130907_144546Nur eine Gruppe 8 junger, münsteraner Autoren war da besser vorbereitet. Sie nennen sich kultextur und schreiben Lyrik und Prosa, beeinflusst durch ihre Studiengänge und was ihnen im Alltag so passiert. Sie hatten ein Info-Blatt vorbereitet, auf dem die einzelnen Autoren vorgestellt wurden und Informationen über ihre gemeinsame Tätigkeit zu finden waren. Außerdem gaben sie uns gleich eine Karte mit Kontaktdaten und verwiesen auf ihre Facebookseite und die Homepage, wo auch ihre Texte zu finden sind.

Ihre Art hat mich sehr positiv überascht.

Ich konnte dem Großteil der Autoren immer und immer wieder erklären, dass Poetry-Slam-Literatur den Hauptbestandteil unserer Veröffentlichungen bildet, musste die meisten aber an unseren Geschäftsführer verweisen. Er sagte ihnen dann, ob eine Veröffentlichung möglich sei, oder nicht.

Trotz des schlechten Wetters war die Messe eigentlich ganz gut besucht. Im Gegensatz zu den Gesprächen mit den Autoren fiel mir das „reine“ Verkaufsgespräch wesentlich leichter. Im allgemeinen habe ich ja nicht die Scheu auf Leute zuzugehen und konnte viel über die Bücher und deren Autoren erzählen. Viele der Bücher habe ich selbst zu Hause und einige der Autoren konnte ich auch schon auf einer Slam-Bühne erleben. Die anderen Bücher habe ich zumindest angelesen bzw. kurz zuvor recherchiert.

Ich habe festgestellt, dass die Besucher der Messe seltener einfach an unserem Stand vorbeigingen, wenn ich sie gleich begrüßte, lächelte und aufstand, um ihnen nicht von unten in die Augen zu blicken.

Durch mein eigenes Interesse an Poetry Slam und den Autoren konnte ich viele Besucher dazu bewegen, eines unserer Bücher zu kaufen, da ich offenbar ihr Interesse wecken oder verstärken konnte, wenn ihnen der Autor schon bekannt war.

Von den Gesprächsrunden und Lesungen habe ich gar nichts mitbekommen, da diese in einem anderen Teil des Grundstückes veranstaltet wurden.

Am Ende verging der Tag wie im Flug. Einmal mit dem Ablauf vertraut, hatte ich auch nicht mehr so großen Respekt vor dem reinen Publikumstag, den ich Sonntag alleine an unserem Stand verbringen sollte. Mir hat der Tag sehr gefallen und ich war gespannt was mich am nächsten Tag erwarten würde.

 

Jennifer