Das Lektorat – Historischer Exkurs

Innerhalb des Überblicks über das Lektorat möchten wir mit einem historischen Exkurs beginnen und beantworten die Frage:

Wie und Wann entstand eigentlich das Berufsbild des Lektors?

Das Berufsbild des Lektors entstand zwischen dem 19. und 20. Jahrhundert. Damals wurde er noch als literarischer Berater betitelt (Schneider 2005: 36).

Das literarische Leben dieser Zeit ist vor allem durch die so genannte „Zweite Leserevolution“ und ihre Folgen geprägt:

Zuvor war es üblich, wenige Bücher mehrmals zu lesen – so zum Beispiel die christliche Erbauungsliteratur oder auch Romane. Doch zeitgleich zu der höheren Alphabetisierung der Bevölkerung änderte sich auch ihr Leseverhalten: Vom „intensiven“ zum „extensiven“ Lesen – es wurden deutlich mehr Texte konsumiert, dafür jedoch nur einmalig.

Die veränderten Lesegewohnheiten des Publikums schlugen sich auf die Arbeitsweisen der Verlagshäuser nieder, denn es gab einen Wandel zur Massenproduktion. Demnach wuchs auch der Konkurrenzdruck und mit der notwendigen Individualisierung des Verlags das Aufgabenfeld des Verlegers (Schneider 2005: 39):

„Der Verleger hatte nun das Problem, sich einerseits der rasanten Entwicklung der Titelflut und der marktökonomischen Bedingungen anzupassen und andererseits qualitätssichernd für seinen Verlag zu wirken. Programmbildung, Autorenbetreuung, Manuskriptbetreuung sowie Pressearbeit vor dem Hintergrund eines Wertewandels verlangten nach kontinuierlicher Unterstützung des Verlegers bei Erledigung seiner organisatorischen wie inhaltlichen Aufgaben“ (Schneider 2005: 49).

So entschieden Verleger sich, die Aufgaben der Trendbeobachtung und der Manuskriptdurchsicht zu delegieren – der Beruf des Lektors war geboren (Schneider 2005: 39, 49).

Literatur: Ute Schneider: Der unsichtbare Zweite. Die Berufsgeschichte des Lektors im literarischen Verlag. Göttingen: Wallstein, 2005.